Schreiben im Studium

3: Situationsanalyse

Phase 3: Situationsanalyse mit dem Phasenziel: Der zu betrachtende Wirklichkeitsausschnitt ist inhaltlich abgegrenzt und die Ausgangssituation, also die spezifischen Umstände, ist herausgearbeitet.

Die fundierte Situationsanalyse ist notwendig, um eine klare Zielsetzung und darauf basierend eine begründete Methodenwahl mit entsprechendem Arbeitsprogramm festlegen zu können. In praxisorientierten Arbeiten bezieht sich die Situationsanalyse typischerweise vorrangig auf die Praxis. Unterstützend oder auch ergänzend ist ein Literaturstudium notwendig. Theoretische Aspekte sind heranzuziehen, wenn sie für die Problemlösung einen relevanten Beitrag leisten. Soll die Arbeit (auch) theoretische Beiträge liefern oder steht der Forschungsaspekt im Vordergrund, so wird die Situationsanalyse vor allem theoretisch sein und sich mit dem Stand des jeweiligen Forschungsgebietes sowie den relevanten Theorien kritisch auseinandersetzen. (Ahrens 2014, 183 f)

Auch diese Prozessphase baut auf einer fundierten, am Phasenziel orientierten thematischen Recherche auf. Es geht nicht darum, alles zum Thema anzuhäufen, sondern das für die Teilzielerreichung Benötigte systematisch zu suchen, zu erfassen, aufzubereiten und auszuwerten. Auswerten bedarf dabei des aufmerksamen Lesens und Exzerpierens. Beim Exzerpieren werden relevante Quellen inhaltlich erfasst und für das eigene Schreibvorhaben nutzbar gemacht. Es gibt vier grundsätzliche Exzerpierarten:
_Zusammenfassendes Exzerpt, um den Text in den Fachdiskurs einzuordnen, Zusammenhänge offenzulegen, den Gesamtaufbau herauszuarbeiten, ...
_Kommentierendes Exzerpt für (persönliche) Textbewertungen, als Ausgangspunkt eigener Argumentation, ...
_Paraphrasierendes Exzerpt zur inhaltlichen Erfassung längerer Textabschnitte, der Argumentationskette, von Beispielen, ...
_Wörtliches Exzerpt, also direktes Zitat, zur Übernahme von Definitionen, Kernaussagen, ...

In den schriftlichen Arbeiten zu Studienbeginn steht zumeist das paraphrasierende Exzerpieren (Arbeitsblatt), als notwendiger Zwischenschritt von der Formulierung im Ausgangstext hin zum eigenständigen Schreibstil, im Vordergrund. Im Studienverlauf nimmt dann das zusammenfassende und kommentierende Exzerpieren, und damit die Diskurseinbettung der Texte, immer mehr zu. Grundsätzlich ist die Bedeutung des sorgfältigen Exzerpierens kaum überzubewerten. Und doch: „Viele Studierende sind zu ungeduldig […] und wollen dem Schneckentempo geistiger Arbeit nicht den nötigen Tribut zollen. Sie werden in der Regel damit bestraft, dass es noch länger dauert.“ (Kruse 2005, S. 215) Denn: “Nichts spart so viel Zeit wie gründliches Exzerpieren.“ (ebd.) Exzerpte sind mit einem Hinweis zu versehen, aus dem eindeutig auf die jeweilige Textstelle der Originalquelle verwiesen wird. Dabei sind die geltenden Zitierrichtlinien einzuhalten und ist sinnvollerweise eine Literaturverwaltungssoftware (Zotero) zu nutzen.

Die für die Frage bzw. für das Problem relevanten, inhaltlich erschlossenen Quellen sind dann zu ordnen und die erkannten Bezüge untereinander explizit zu machen. Darauf aufbauend kann eine stimmige Textgliederung erstellt werden, welche wiederum als Grundlage für die Rohfassung der Situationsanalyse dient. Rohfassung bedeutet, dass es zunächst darum geht, die zentralen Aussagen herauszuarbeiten. Der inhaltliche, stilistische und formale Feinschliff erfolgt erst später, in den Phasen ‚Überarbeitung‘ und ‚Korrektur‘. Das Arbeitsblatt Schritte zur Situationsanalyse wurde konzipiert, um aufbauend auf dem bereits erarbeiteten Grundwissen zum Thema eine stimmige Ausgangslage des eigenen Arbeitsvorhabens (= Situationsanalyse) zu verschriftlichen.

Wie schon im vorigen Abschnitt betont, kann die präzise Zielformulierung erst nach eingehender Situationsanalyse erfolgen; sie bedarf der klaren Sicht auf die Ausgangssituation. Das Ziel entspricht dabei der Wirkungsabsicht auf die Praxis bzw. auf weiterführende theoretische Aufgaben. Auch sollten eventuelle Zielkonflikte offengelegt und aufgelöst werden. (Ahrens 2014, S. 132f, 146, 169) Die im Planungskonzept (Phase 2) definierte Frage bzw. das zu lösende Problem wird also nochmals im Schein der vertieften Situationsanalyse ausgeleuchtet und im Bedarfsfall dem neuen Erkenntnisstand entsprechend angepasst. Dazu offeriert Kornmeier (2008, S. 40-57) einen interessanten Betrachtungswinkel. Er beschreibt fünf Fragetypen. Diese sind im Arbeitsblatt Typen von Forschungsfragen und Arbeitsansätzen kurz dargestellt, um das Arbeitsprojekt einordnen zu können und dabei ein (noch) klareres Bild vom Vorhaben zu erhalten.

Wie bei allen Abschnitten empfiehlt es sich, Außenstehende bzw. Peers, also Mitstudierende, um Rückmeldung zu bitten. Die Feedbackblätter Situationsanalyse, Ziel mit Methodikausblick und Analysegespräch wurden hierfür bereitgestellt.

Phasenergebnis: Verständliche Beschreibung der Ausgangslage (in Rohfassung).