Phase 4 // Ideen entwickeln

Startet am 16. Mrz. // Ideen ins Whiteboard bis 3. Apr.

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Wenn es einen Wirklichkeitssinn gibt […], dann muss es auch etwas geben, dass man Möglichkeitssinn nennen kann. 

– aus Der Mann ohne Eigenschaften von Robert Musils (1930) –

Liebe Teilnehmende des Ko:Labs Future Skills.

Wenn ich bei Zukunft an mein direktes Umfeld denke, wünsche ich mir oft „Ach, wenn es klarere Prozesse gäbe … mehr Zeit für Austausch ... ” – Dann liegt Zukunft in der Differenz zwischen dem, was heute ist, und dem, was möglich sein könnte. Wenn ich jedoch an die dynamische und unsichere Zukunft denke, von der so oft die Rede ist, bleibt sie für mich schwer greifbar. Geht es euch ähnlich? 

Mit den Future Skills im Hinterkopf habe ich jedoch zunehmend das Gefühl, meinen Werkzeugkoffer für den Weg ins Unbekannte zu packen. Auch der Möglichkeitssinn, den Robert Musil beschreibt, passt gut in diesen Werkzeugkoffer: die Fähigkeit, neben dem Wirklichen auch das Mögliche mitzudenken. Der Philosoph Charles S. Peirce nennt solche gedanklichen Fragen Abduktion: „Könnte das möglich sein? Was wäre, wenn …?“ 

Eine Herangehensweise, die sich auch im Design Thinking zeigt. Dort beginnen neue Ideen beim Blick auf die Menschen – auf das, was sie nutzen, erleben oder brauchen könnten. Genau hier setzt unsere letzte Phase im Ko:Lab an.

Fragen der Phase 4:
Welche Bedürfnisse zeigen sich in den Situationen, die ihr beobachtet habt – bei den Menschen in unserem Lern- und Arbeitsalltag? Welche Ideen könnten daraus entstehen, die unser gemeinsames Lernen und Arbeiten in Zukunft unterstützen?

In den nächsten Wochen geht es darum, in euren Kleingruppen einer Idee nachzugehen. Beim nächsten „Act & Reflect“-Termin überlegen wir gemeinsam, was ein erster Schritt daraus sein könnte. Ideen entwickeln sich mit der Zeit – finalisiert daher eure „How Might We“-Fragen möglichst früh.

Viel Freude beim Ideen ENTWICKELN!
Vicky

Aufgabenstellung

Sich den gemeinsamen Weg nochmals bewusst machen.

Lernziel

Die Reflexionsfragen laden euch ein, die entstandenen Überlegungen nochmals im Blick auf euren bisherigen Weg zu betrachten und zu prüfen, ob eure „How Might We“-Frage wirklich den Kern eures Anliegens berührt.

Aufgabe

  • Erinnert euch, welche Situationen im Arbeits- und Studienalltag an der FHV waren während des Ko:Labs immer wieder Thema in euren Kleingruppen?
  • Schaut kurz aus dem Fenster und blickt zurück auf das, was euch in eurem eigenen Lern- oder Arbeitsumfeld aufgefallen ist.
  • Lest noch einmal euer Plakat aus dem „Act & Reflect”-Termin und reflektiert es anhand der folgenden Fragen.
  • Optional: Nutzt mit KI, um zu prüfen, ob eure „How Might We“-Frage zu eng oder zu weit ist – oder bereits eine gute Basis für Ideen bietet.

    

Vier Fragen zur Reflexion

  • 1 | Wenn ihr auf eure Beobachtungen aus den letzten Phasen zurückblickt:
    • Beschreibt eure Situation wirklich eine Situation, die in euren Gesprächen immer wieder aufgetaucht ist?
    • Überlegt noch einmal genauer: Wann passiert es? Wo passiert es? Wer ist beteiligt?
    • Wann ist euch diese Situation zuletzt konkret begegnet?
  • 2 | Wenn ihr euer Problem betrachtet:
    • Was brauchen Menschen in dieser Situation eigentlich?
    • Welches funktionale Bedürfnis steckt darin? (z.B. Orientierung, Klarheit, Unterstützung)
    • Welches emotionale Bedürfnis steckt darin? (z.B. Vertrauen, Sicherheit, Zugehörigkeit)
    • Wer hat dieses Bedürfnis?
  • 3 | Wenn dieses Bedürfnis nicht erfüllt wird:
    • Was fehlt dadurch im Alltag?
    • Was wird schwieriger? Was funktioniert nicht gut?
    • Was erleben Menschen dann?
  • 4 | Wenn ihr eure Situation und das Bedürfnis darin vor euch seht:
    • Wie würde eure „How Might We“-Frage dann lauten?
    • Zum Beispiel: Wie könnten wir … ermöglichen / sichtbar machen / unterstützen, damit … (Bedürfnis erfüllt wird)?

Ideen-Sprint: In 8 Minuten zu 8 verrückten Ideen.

Lernziel

Ihr lernt eine Kreativitätstechnik kennen, mit der ihr in kurzer Zeit viele Ideen entwickeln könnt – allein oder im Team – und erlebt, wie Zeitdruck spontanes Denken fördert und Kreativblockaden lösen kann.

Ablauf

  • 1 | Papier falten: Faltet ein DIN-A4-Blatt dreimal, sodass beim Aufklappen 8 Felder entstehen = Platz für 8 Ideen
  • 2 | Timer starten: Öffnet den „Crazy 8's Timer for Idea Sprint“ – Der Timer läuft 8 Minuten und gibt jede Minute ein Signal, damit ihr zur nächsten Idee wechselt
  • 3 | Ideen generieren: Skizziert eine Idee pro Feld. Sobald der Timer ertönt, wechselt ihr zum nächsten Feld. Denkt nicht zu lange nach – spontane Ideen sind erwünscht. Falls ihr Impulse braucht, nutzt gern die Impulswörter im PDF
  • 4 | Zwei Ideen auswählen: Schaut euch eure Ideen an und markiert zwei Ideen farbig, die ihr besonders spannend findet und eurer Gruppe vorstellen möchtet
  • 5 | Ideen im Whiteboard sammeln: Fotografiert euer Ideenblatt und ladet es im Whiteboard hoch, damit eure Ideen in der Kleingruppe sichtbar sind und später nochmals aufgegriffen werden können

GUT ZU WISSEN

Hier geht es um Schnelligkeit statt Qualität. Die Ideen müssen weder ausgereift noch perfekt gezeichnet sein. Ziel ist es, den Analysemodus kurz zu unterbrechen und spontane, auch ungewöhnliche Ideen zuzulassen. Skizzieren unterstützt dabei spontanes, visuelles Denken. Besonders kreativ wird es, wenn ihr die Übung gemeinsam macht. Wenn dafür keine Zeit ist, nutzt das Whiteboard als gemeinsamen Raum für den Austausch eurer Ideen.

Aus Ideenfunken eine gemeinsame Idee entwickeln.

Lernziel

Die Aufgabe lädt dazu ein, aus vielen Einzelideen eine gemeinsame Idee zu entwickeln. Dabei geht es nicht darum, welche Idee uns persönlich am besten gefällt, sondern welche das größte Potenzial hat, eine Antwort auf unsere gemeinsame Fragestellung zu geben.

Aufgabe

  • 1 | Ideen auswählen und bündeln
    Stellt euch eure zwei ausgewählten Ideen vor und besprecht gemeinsam die folgenden Fragen. Entwickelt dann daraus eine gemeinsame Idee.
    • Welche Idee hat für unsere „How Might We”-Frage das größte Potenzial?
    • Welche Ideen würden wir gerne weiter ausarbeiten?
    • Lassen sich einzelne Ideen zu einer stärkeren Lösung verbinden?
  • 2 | Tragfähigkeit der Idee prüfen
    Reflektiert anschließend folgende Fragen und entwickelt eure Idee weiter, notiert die finale Idee als Idea-Napkin im Whitboard.
    • Welches Problem aus unserer „How Might We”-Frage löst diese Idee konkret?
    • Für wen würde diese Idee einen Unterschied machen?
    • Wo könnte sie im Alltag andocken?
    • Was könnte an dieser Idee schwierig werden?
    • Wen oder was braucht es, damit sie umgesetzt werden kann?

GUT ZU WISSEN

Die Einträge im Whiteboard sind nicht zum Bewerten oder Vergleichen gedacht, sondern machen sichtbar, was sich bei euch in den letzten Wochen entwickelt hat. Vor dem nächsten Präsenz-Termin lohnt sich ein Blick hinein, um einen Überblick darüber zu bekommen, welche Ideen in den einzelnen Kleingruppen entstanden sind.

Vom individuellen Wahrnehmen zur gemeinsamen Idee.

Induktion – vom individuellen Wahrnehmen zur gemeinsamen Fragestellung

Im Ko:Lab habt ihr zunächst wahrgenommen, wo Future Skills in eurem Studien- und Arbeitsumfeld bereits sichtbar werden. Ihr habt Kollegen:innen zugehört, wie sie mit Veränderungen umgehen. Und dann reflektiert, was ihr selbst anders gestalten würdet, wenn es möglich wäre. Aus diesen konkreten Beobachtungen habt ihr gemeinsam herausgefiltert, was sich auf einer allgemeineren Ebene verändern müsste, damit Future Skills stärker wirksam werden können – und daraus eine gemeinsame Frage formuliert.

Deduktion – von der gemeinsamen Frage zu tragfähigen Ideen

Damit Ideen nicht abstrakt bleiben, sondern später tatsächlich in unsere Lern- und Arbeitsumgebungen einfließen können, braucht es auch den umgekehrten Weg: vom Allgemeinen zurück zu konkreten Alltagssituationen an der FHV. Dieser Übergang fühlt sich in der kollaborativen Arbeit oft wie eine Verkürzung an. Tatsächlich geht es jedoch darum, das Wesentliche im Allgemeinen zu erkennen und daraus Ideen zu entwickeln, die im täglichen Arbeiten und Lernen wirksam werden können.

Abduktion – vom Bedürfnis der Menschen zu neuen Möglichkeiten

Mit dem Blick auf das Wesentliche fällt dieser zunächst oft auf technische oder strategische Lösungen, da sie greifbarer erscheinen. Doch wenn wir den Blick von allgemeinen Problemen auf die Menschen richten, die diesen Herausforderungen im Alltag begegnen, und auf die Bedürfnisse, die sich darin zeigen – was wäre dann eigentlich möglich?

Der Übergang vom Sammeln zum Entwicklen

Damit Gedanken weiterarbeiten können, braucht es in dieser Phase den stetigen Wechsel zwischen individuellem Wirkenlassen, Impulsen von außen und gemeinsamem Weiterdenken. Reflektiert, was zu euren Kleingruppen passt – ob ein „Idee-Kaffee“, das Teilen von Ideen im Teams-Kanal oder ein gemeinsamer Ideen-Sprint.

Für alle, die mehr über Kreativmethoden wissen möchten:

Hier findet ihr eine kompakte Erklärung mit ca. 2 Minuten Lesezeit, die zeigt, was die „Crazy 8”-Methode ausmacht, wo sie eingesetzt werden und worauf bei der Durchführung zu achten ist.

Blog-Post: Was ist Crazy 8? Vortiele und Vorgehen (2024)

Hier findet ihr eine 2-minütige Erklärung, wie ihr eure Idee weiterentwicklen und für unseren „Act & Reflect”-Termin vorbereiten könnt. 

YouTube-Video: Idea Napkin: In 5 Schritten Ideen umsetzen (2021)