Arbeitsphase 1 - Themenfindung und Problemdefinition

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Themenfindung und Problemdefinition

In dieser Arbeitsphase überführst du ein offenes Themeninteresse in einen wissenschaftlich bearbeitbaren Problemraum.
Du öffnest zunächst mehrere Problemvarianten und triffst erst nach der Prüfung von Relevanz, Machbarkeit und Eingrenzbarkeit eine vorläufige Auswahl.

Zieloutput der Phase

Am Ende dieser Einheit hast du folgende Elemente erarbeitet:

  • Problemkern – das eigentliche wissenschaftliche Problem
  • Scope-Grenzen (Zielgruppe, Kontext, Zeitraum, Begriffe, …)
  • Erste Forschungs-/Leitfrage
  • Relevanzbegründung (für wen, warum wichtig, …?)
  • Machbarkeitsprofil (Datenzugang, Zeit, Methode grob, …)
  • Erste Literatureinbettung (1–3 Basisquellen)
  • Offene Evidenzfragen für die Recherchephase

Kognitive Logik der Phase

Problemlösendes und kritisches Denken in der Definitionsphase umfasst typischerweise:

  • Themeninteresse / Problemwahrnehmung / Irritation erkunden – Was interessiert mich? Welche Lücke oder Unklarheit sehe ich, und woran merke ich das?
  • Themen-/Problem-Definition klären – Worum geht es genau, und wovon grenzt es sich ab?
  • Problemraum öffnen (Divergenz) – Welche Alternativen, Kontexte und Unterthemen könnte es geben, ohne sofort zu entscheiden?
  • Problemraum schließen (Konvergenz) – Welche Varianten lassen sich nach Relevanz, Machbarkeit und Anschlussfähigkeit aussortieren?
  • Reflexion und Selbststeuerung prüfen – Welche Motive, Bias- oder Hype-Risiken könnten vorliegen?

Ablaufbeispiel der operativen Steuerung, um ein Thema einzugrenzen:

Jede Tabellenzeile zeigt eine Kerninteraktion, keinen vollständigen Prompt: Verbinde die Strategie mit Ziel, Fokus beziehungsweise Schwerpunkt, Rolle, Prozessstand, Kriterien, Ausgabeformat und Prüfauftrag der Kontext-Architektur. Lege außerdem die Wissensbasis fest, also auf welche eigenen Artefakte und geprüften Quellen sich das LLM stützen darf. Die Beispiele zeigen zugleich, wie du Dialog, Übersicht, Tabelle oder Entscheidungslog als übersichtliches Arbeitsartefakt anforderst.

Schritt

Strategie

Beispielpromt

1 Rohinteresse explizieren – Annahmen und Unklarheiten sichtbar machen

Socratic Questioning

Führe einen sokratischen Dialog zum Thema [THEMA], bis ich Stop sage. Stelle immer genau eine Frage und warte auf meine Antwort; keine Lösungsvorschläge oder Bewertungen. Nach Stop: Übersicht mit meinen Kernaussagen, Problemdefinition, verwendeten Begriffen, Lücken und offenen Punkten.

1 Rohinteresse zerlegen – Teilaspekte und Zwischenentscheidungen sichtbar machen

Scaffolding (Task Decomposition)

Zerlege [AUFGABE] in Schritte. Bearbeite nur den nächsten Schritt und warte auf mein OK. Schließe jeden Schritt mit einem Wrap-up ab: Stand in zwei Sätzen | offene Entscheidung | nächste Frage an mich.

2 Problemraum öffnen – mehrere Problemvarianten erzeugen

Tree-of-Thought

Erzeuge drei bis fünf alternative Problemdefinitionen für [THEMA], parallel und ohne Bewertung. Ausgabe als Variantenübersicht mit Problemkern, Begriffen, Scope, Relevanz, Machbarkeit und offener Frage; Ursachen nur als Hypothesen markieren.

3 Eingrenzbarkeit und Machbarkeit prüfen – realistische Scope-Varianten entwickeln

Constraint-Based Scoping

Formuliere zwei Scope-Varianten (eng und mittel) für [THEMA] unter [ZEIT], [DATEN], [METHODE] und [KONTEXT]. Ausgabe: Scope-Variante | drei bewusste Ausschlüsse | größter Engpass | klärende Rückfrage.

3 Relevanz und Machbarkeit gegenprüfen – starke Einwände erzeugen

Devil’s Advocate

Agiere als strenger Gutachter und prüfe [VARIANTE] auf Theorie-Fit, Daten und Machbarkeit, Scope und Originalität. Ausgabe: Einwand | Begründung | konkrete Verbesserung | offene Evidenzfrage.

4 Auswahlentscheidung strukturieren – Varianten kriteriengeleitet vergleichen

Structured Output (Decision Table)

Gib die bisherigen Ergebnisse als Decision Table aus. Spalten: Problemkern, Begriffe, Scope, Relevanz, Machbarkeit, Literaturanschluss, Risiko und offene Frage. Bewerte niedrig, mittel oder hoch und begründe jede Bewertung in einem Satz.

5 Offene Evidenzfragen sichern – Befund, Annahme und Belegstatus trennen

Self-Critique / Self-Verification

Kritisiere deinen Output zu [AUFGABE]. Erfinde keine Quellen. Ausgabe als Prüftabelle: Kernbehauptung | Quellenlabel [U/L/W/M] | Belegstatus | Lücke oder Prüfauftrag.

Verbindliche Prüffragen vor dem Abschluss der Phase:

  • Ist der Problemkern wissenschaftlich bearbeitbar?
  • Ist die Forschungs- oder Leitfrage hinreichend präzise?
  • Sind Rahmenbedingungen und Ausschlüsse nachvollziehbar?
  • Ist das Vorhaben unter diesen Bedingungen machbar?
  • Ist die Relevanz begründet und nicht nur behauptet?
  • Sind zentrale Begriffe noch unklar?
  • Gibt es erste Literaturanschlüsse?

Übergabe Zieloutput-Artefakte

Übernehme die vorläufig bestätigte Problemdefinition mit Problemkern, Rahmenbedingungen und erster Forschungs-/Leitfrage sowie Relevanzbegründung, Machbarkeitsprofil, erste Evidenzanker und offene Evidenz- und Klärungsfragen als Kontext für Arbeitsphase 2.

Matrixzelle 1 | Definieren

Phase „Themenfindung und Problemdefinition“ × Denkart „Problemlösend/kritisch“

Lernziele

  • vage Interessensfelder systematisch zu bearbeitbaren Problemen eingrenzen,
  • Prompting-Strategien einsetzen, die Problemwahrnehmung, -definition und Prüfung anregen,
  • kritisches Denken mit KI fördern (Relevanz, Machbarkeit, blinde Flecken hinterfragen),
  • Kontext und Wissensbasis so steuern, dass die KI strukturiert und rückfragt,
  • die eigene Denkrichtung (Notizen, Mindmaps) gezielt mit KI-Unterstützung kombinieren.