KI-Unterstützung bei der Dispositionserstellung

erstellt von Paul Ellersdorfer; Schreibzentrum der FHV-Bibliothek

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Wissenschaftliches Arbeiten mit generativer KI

In den frühen Phasen wissenschaftlichen Arbeitens entscheidet sich, wie tragfähig die spätere Arbeit wird:
Aus einem offenen Interesse soll ein bearbeitbares Problem, eine geprüfte Wissensbasis und eine argumentationsfähige Struktur entstehen.

Dieses Lernmodul zeigt, basierend auf dem unten angeführten Framework, wie Prompting-Strategien, Kontext-Architektur und Wissensbasis-Steuerung - in Kombination mit der eigenen Denkrichtung und den eigenen Artefakten (z.B. Notizen, Mindmap, Exzerpten)  – systematisch zusammenspielen, um wissenschaftliche Denk-, Prüf- und Entscheidungshandlungen mit generativer KI bewusst zu steuern.

Kernprinzip: 

Du steuerst die Operationen des LLMs anhand der Prompting-Strategien, Kontext-Architektur und Wissensbasis im Sinne von adaptierbaren Prozessimpulsen. 
Die Leitbewegung lautet: wissenschaftliche Aufgabe → Zieloutput → Denkmodi → operative LLM-Steuerung → menschliche Prüfung.

Arbeitsphase und dominante Denkmodi bilden den Ausgangspunkt einer Matrixzelle.
-> Daraus werden Zieloutput und epistemischer Prozess konkretisiert.
-> Prompting-Strategien, Kontext-Architektur und Wissensbasis-Steuerung operationalisieren die LLM-Interaktion.
-> Der menschliche Prüfpfad bewertet Zwischenergebnisse und Zieloutputs und kann eine Anpassung, Verwerfung oder erneute Bearbeitung auslösen.

Lernziele der 3 Arbeitsphasen

  • Context Engineering als übergeordnete Steuerungslogik einsetzen,
  • Prompting-Strategien, Kontext-Architektur und Wissensbasis-Steuerung unterscheiden und kombinieren,
  • Zieloutput-Artefakte als Kontext der nächsten Phase nutzen,
  • jede KI-Aussage an Originalquelle, Aussagekontext und Seitenbezug prüfen,
  • technische Einschränkungen erkennen und die eigene Prüfverantwortung wahrnehmen.

Phase

Epistemischer Übergang

Zentrale Zieloutputs

Prüfregel

1 · Themenfindung und Problemdefinition

vom Interesse zum Problem

Problemkern, Rahmenbedingungen, erste Forschungs-/Leitfrage, Relevanz, Machbarkeit und offene Fragen

Problemvariante nach Relevanz, Machbarkeit und Eingrenzbarkeit begründen

2 · Literaturrecherche und -strukturierung

vom Problem zur Wissensbasis

Suchprotokoll, Kern- und Randkorpus, Aussage-Quellen-Tabelle und Gap-Map

keine Aussage ohne geprüfte Quelle und konkrete Fundstelle übernehmen

3 · Theorie- und Konzeptaufbau

von der Wissensbasis zum Konzept

Diskurskarte, Begriffsregister, Arbeitsdefinitionen, Konzeptmodell und Argumentationsgliederung

Begriffe, Aussagen, Quellen und Gliederung auf Kohärenz prüfen

Synthese

Übergaben und Rücksprünge sichtbar machen

geprüfte Übergabeartefakte und dokumentierte Auswahlentscheidungen

nur geprüfte und für den nächsten Schritt relevante Zieloutputs weitergeben

Rekursiv

Die Phasen bilden eine Orientierung, keine starre Reihenfolge. Rechercheergebnisse können eine erneute Eingrenzung auslösen, Konzeptarbeit kann weiteren Recherchebedarf sichtbar machen.

Die Qualität einer KI-Interaktion hängt nicht nur vom einzelnen Prompt ab, sondern von der gesamten Informations- und Arbeitsumgebung. Innerhalb einer Matrixzelle greifen drei operative Steuerungsdimensionen ineinander; die menschliche Prüfentscheidung schließt die Steuerung ab.

Steuerungselement

Leitfrage

Umsetzung

Prompting-Strategie

Wie wird der Bearbeitungsschritt mit dem LLM gestaltet?

den jeweiligen Prozessimpuls in eine geeignete Form der LLM-Interaktion übersetzen

Kontext-Architektur

Unter welchen Vorgaben soll das LLM arbeiten?

Ziel, Fokus, Rolle, Stil, Prozessstand, Kriterien, Prüfauftrag und Ausgabeformat festlegen

Wissensbasis-Steuerung

Auf welcher Informations- und Quellenbasis wird gearbeitet?

eigene Artefakte, geprüfte Quellen, Volltexte, Exzerpte oder Datensätze bewusst auswählen

Menschliche Prüfentscheidung

Was wird nach der Prüfung weiterverwendet?

übernehmen, anpassen, weiter prüfen oder verwerfen und die Entscheidung dokumentieren

Context Engineering über die Phasen hinweg

Auf der Mikroebene rahmen Prompting-Strategien, Kontext-Architektur und Wissensbasis die einzelne Interaktion.
Auf der Makroebene werden geprüfte und für die weitere Bearbeitung relevante Zieloutputs zu Kontextinformationen der folgenden Matrixzelle. Offene Fragen bleiben als Prüf- oder Rechercheaufträge sichtbar.

Zwei Quellen speisen die Kontextinformationen, die in der nächsten Arbeitsphase als Grundlage dienen:

  • Zieloutput-Artefakte (Entscheidungsprotokoll, Diskurskarte,...) um die Denkrichtung und gesicherte Inhalte in die nächste Arbeitsphase für das LLM bereitzustellen.
  • Hochgeladene Texte (Notizen, Exzerpte, Volltexte), um die verwendete Wissensbasis des LLMs einzuschränken und prüfbar zu machen.

Prüfpflicht: Die technische Bereitstellung einer Quelle belegt weder ihre wissenschaftliche Qualität noch die korrekte Interpretation eines LLMs. Originalquelle, Aussagekontext und Seitenbezug bleiben weiterhin eigenständig zu prüfen.

Einschränkung

Kurzbeschreibung

Halluzination / Konfabulation

Sprachmodelle erzeugen selbstbewusst formulierte, aber sachlich falsche Aussagen; dies resultiert aus dem Trainingsziel der Wortvorhersage und aus Bewertungsmetriken, die selbstbewusstes Raten belohnen.

Jaggedness

KI-Unterstützung verbessert die Leistung bei manchen Aufgaben und verschlechtert sie bei anderen; hohe Konsistenz bei einer Aufgabe sagt keine Konsistenz bei anderen voraus.

Sycophancy

Tendenz, Überzeugungen der Nutzenden zu bestätigen statt kritisch zu prüfen, insbesondere bei Feedback-Anfragen.

Brevity bias

Verkürzung und Paraphrase gehen zulasten fachlicher Details zugunsten knapper, generischer Formulierungen.

Context collapse

Wiederholtes Umschreiben von Kontext führt zu abruptem Informationsverlust.

Kontextfenster

Ein Sprachmodell kann nur eine endliche Menge an Kontextinformation gleichzeitig verarbeiten; Kontextgestaltung ist ein Optimierungsproblem unter dieser Kapazitätsgrenze.

Lost-in-the-middle

Information an mittleren Kontextpositionen wird schlechter genutzt als am Anfang oder Ende.

Context Rot

Mit zunehmendem Kontextumfang verschlechtert sich die Modellleistung insgesamt, unabhängig von der Position.

Wissens-Cutoff

Sprachmodelle bleiben nach Abschluss des Trainings statisch; ohne externen Abruf erfassen sie danach entstehendes Wissen nicht mehr.

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