Arbeitsphase 2 - Literaturrecherche und Quellenstrukturierung
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Literaturrecherche und -strukturierung
In dieser Arbeitsphase übersetzt du die geprüfte Problemdefinition in einen nachvollziehbaren Suchraum.
Du wählst Quellen begründet aus und sicherst relevante Aussagen mit konkreten Fundstellen.
Zieloutput der Phase
Am Ende dieser Einheit hast du folgende Elemente erarbeitet:
- Suchfokus – Übersetzung des Problemkerns in Suchdimensionen
- Suchraum (Datenbanken, Zeitraum, Sprache, Publikationstypen, Ausschlüsse)
- Suchstrings (breit / mittel / eng)
- Suchlog – dokumentierte Suchentscheidungen
- Screeningraster (Relevanz- und Ausschlusskriterien)
- Kern- und Randkorpus – begründete Auswahl relevanter Literatur
- Aussage-Quellen-Tabelle mit real geprüften Quellen und Fundstellen
- Gap-Map – Übereinstimmungen, Widersprüche und Lücken im Korpus
Kognitive Logik der Phase
Analysierendes und evaluatives Denken in der Recherchephase umfasst typischerweise:
- Suchraum bestimmen – Wo suche ich, in welchem Zeitraum, in welcher Sprache, und was schließe ich aus?
- Begriffe suchfähig machen – Welche Kernbegriffe, Synonyme und Gegenpositionen gehören in den Suchstring?
- Treffer screenen – Welche Quelle ist relevant, und nach welchem Kriterium entscheide ich das?
- Evidenz sichern (Evidenzschleuse) – Existiert die Quelle wirklich, und steht die Aussage auf der angegebenen Seite?
- Korpus begründen – Warum gehört diese Quelle zum Kern-, jene zum Randkorpus?
Evidenzschleuse – die zentrale Regel dieser Phase
Keine KI-generierte Literaturaussage darf übernommen werden, wenn sie nicht in einer real geprüften Quelle mit Fundstelle abgesichert ist.
Faktenhalluzinationen zeigen sich als erfundene Quellenangaben oder nicht existierende Studien.
Ablaufbeispiel zur operativen Steuerung, um einen begründeten Literaturkorpus aufzubauen:
Jede Tabellenzeile zeigt eine Kerninteraktion, keinen vollständigen Prompt: Ergänze über die Kontext-Architektur Ziel, Fokus beziehungsweise Schwerpunkt, KI-Rolle, Prozessstand, Kriterien für Suche und Prüfung, Ausgabeformat und Prüfauftrag. Bestimme zudem die zulässige Wissensbasis. Die Ausgabevorgaben zeigen, wie Suchmatrix, Screeningübersicht, Definitionsblatt, Verifikationstabelle oder Gap-Map als prüfbares Arbeitsartefakt angefordert werden; sie ersetzen weder Datenbanksuche noch Quellenprüfung
Schritt | Strategie | Beispielprompt |
1 Suchdimensionen ableiten – Kernbegriffe und Varianten suchfähig machen | Concept-to-Keyword Mapping | Extrahiere die Kernbegriffe aus [PROBLEMDEFINITION UND RECHERCHEBEDARF]. Kennzeichne Mehrdeutigkeiten. Ausgabe als Suchmatrix: Kernbegriff | Synonyme und Varianten | Nachbarfelder | Ausschlüsse; jeden Eintrag kurz begründen. |
2 Suchraum festlegen – Parameter, Ausschlüsse und Bias-Risiken begründen Suchstrings | Analyse-Fokus | Definiere geeignete Datenbanken oder Quellenorte, Zeitraum, Sprache, Dokumenttypen und Ausschlusskriterien. Ausgabe: Parameter | Entscheidung | Begründung | Bias- oder Abdeckungsrisiko. |
3 Suchstrings entwickeln – breite, mittlere und enge Varianten dokumentieren | Query Engineering | Erzeuge aus meiner Keyword-Map drei Suchstrings: breit, mittel und eng, einschließlich AND, OR, Phrasensuche und Wildcards. Ausgabe pro String: Suchstring | Zweck | erwartete Treffertypen | Ausschlüsse und Filter. |
4 Treffer screenen – Relevanz anhand vorab festgelegter Kriterien vorsortieren | Screening (A/B/C) | Nutze meine Forschungsfrage und Kernbegriffe. Definiere A-, B- und C-Screeningkriterien. Ausgabe: Treffer | A/B/C | erfüllte oder verletzte Kriterien | Begründung. Die Volltextprüfung erfolgt separat. |
5 Begriffsdefinitionen erfassen – zitierfähige Extrakte mit Fundstellen sichern | Conceptual Clarifier | Extrahiere aus dem hochgeladenen Volltext Definitionen, zentrale Befunde und Limitationen; ohne Fundstelle: nicht zitierfähig. Erzeuge ein Definitionsblatt: Begriff | Definition oder Kurzzitat | Fundstelle | Variante gegenüber Standard. |
6 Korpusbildung vorbereiten – Grundtexte und ergänzende Literatur priorisieren | Seed-Plan und Screening | Erzeuge einen Seed-Plan für die wissenschaftliche Literaturrecherche zu [THEMA]. Ausgabe: Dokumenttyp oder Treffer | Priorität A/B/C | Funktion im Korpus | Kurzcheck zu Autorenschaft und Publikationsstatus. |
7 Aussagen prüfen – belegbare Aussagen von Vermutungen trennen | Self-Critique / Self-Verification | Kritisiere den Output zu [AUFGABE] und erfinde keine Quellen. Ausgabe als Prüftabelle: Aussage | Status als Input, Beleg oder Vermutung | Quelle und Fundstelle | Nachprüfungsbedarf. |
8 Aussagen quellengebunden dokumentieren – Quelle, Fundstelle und Belegstatus verknüpfen | Aussage-Quellen-Zuordnung | Erstelle eine Verifikationstabelle: Claim | Quelle | Fundstelle | Belegstatus (direkt, indirekt oder unsicher) | Nachrecherchefrage. Nutze nur tatsächlich geprüfte Quellen. |
8 Muster und offene Bereiche strukturieren – eine Gap-Map des Korpus erstellen | Gap-Map | Erstelle eine Gap-Map zum Forschungsvorhaben [THEMA] auf Grundlage der hochgeladenen Dokumente. Bewerte die Evidenz je Zelle als hoch, mittel, niedrig oder fehlend anhand von Anzahl, Qualität und Konsistenz. |
Evidenzschleuse (Prüfraster)
Jede Aussage durchläuft diese Prüfung, bevor sie übernommen wird:
Element | Prüffrage | Status |
Aussage | Welche Aussage soll übernommen werden? | formuliert |
Quelle | Gibt es eine reale Quelle? | geprüft / ungeprüft |
Fundstelle | Wo steht die Aussage genau? | Seite / Abschnitt |
Belegtyp | Definition, Befund, Theorie oder Argument? | markiert |
Passung | Passt die Aussage zur Forschungsfrage? | hoch / mittel / gering |
Entscheidung | Übernehmen, anpassen oder verwerfen? | dokumentiert |
- Ist der Suchraum begründet und dokumentiert?
- Ist die Quelle real vorhanden, und wurde der Volltext geprüft?
- Sind alle zu übernehmenden Aussagen durch konkrete Fundstellen gedeckt?
- Sind Aufnahme, Zuordnung oder Ausschluss jeder Quelle begründet?
- Welche Nachrecherchebedarfe bleiben offen?
Zieloutput-Artefakte
Dokumentiere die begründete Zusammensetzung des Kern- und Randkorpus, ausgeschlossene Quellen und offene Nachrecherche.
Übergib Kern- und Randkorpus, Aussage-Quellen-Tabelle und Gap-Map mit Übereinstimmungen, Widersprüchen und offenen Bereichen als geprüften Kontext und als Wissensbasis für Arbeitsphase 3.
Matrixzelle 2 | Recherchieren
Phase „Literaturrecherche/Materialaufbau“ × Denkart „Analysierend/evaluativ“
Lernziele
- einen Suchraum systematisch definieren und dokumentieren,
- KI-generierte Treffer kritisch screenen statt ungeprüft übernehmen,
- jede Aussage an eine reale Quelle mit Fundstelle binden (Evidenzschleuse),
- einen begründeten Korpus bilden und Forschungslücken sichtbar machen,
- die Wissensbasis so steuern, dass sich die KI nur auf geprüftes Material stützt.