Arbeitsphase 3 - Theorie- und Konzeptaufbau

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Theorie- und Konzeptaufbau

In dieser Arbeitsphase ordnest du die geprüfte Literatur- und Evidenzbasis zu einer eigenen konzeptionellen Struktur.
Begriffe, Positionen, Modelle, Aussagen und Gliederung werden quellengebunden entwickelt und auf Kohärenz geprüft.

Zieloutput der Phase

Am Ende dieser Einheit hast du folgende Elemente erarbeitet:

  • Diskurskarte – Positionen, Kontroversen und Anschlussstellen
  • Begriffsregister – Kernbegriffe, Definitionsvarianten und Abgrenzungen
  • Arbeitsdefinitionen – begründete begriffliche Festlegungen
  • Modellvarianten A/B – alternative konzeptuelle Ordnungen
  • Aussage-Struktur – Leitaussage und Teilaussagen
  • Argumentationsgliederung – Kapitel als Argumentkette
  • Kohärenzprüfung – Begriffe, Aussagen, Quellen und Gliederung auf Passung geprüft

Kognitive Logik der Phase

Interpretierendes und konzeptuelles Denken in der Konzeptphase umfasst typischerweise:

  • Diskurs klären – Welche Positionen und Kontroversen prägen mein Feld, und wo schließe ich an?
  • Begriffe klären – Welche Definitionsvarianten gibt es, und wovon grenze ich meinen Begriff ab?
  • Gegenlesarten erzeugen – Wie ließe sich derselbe Sachverhalt anders deuten?
  • Modelle bilden – Welche konzeptuelle Ordnung trägt meine Fragestellung, und welche Annahmen stecken darin?
  • Kohärenz prüfen – Passen Begriffe, Aussagen, Quellen und Gliederung zusammen?

Gefahr scheinkohärenter Glätte

KI-generierte Konzepte können überzeugend formuliert sein, ohne quellengebunden oder argumentativ tragfähig zu sein.
Gliederungsvorschläge sind nur ein Ausgangspunkt und kritisch auf Basis eigener Überlegungen und Literaturanalysen weiterzuentwickeln.

Ablaufbeispiel zur operativen Steuerung, um eine argumentationsfähige Gliederung aufzubauen:

Jede Tabellenzeile zeigt eine Kerninteraktion, keinen vollständigen Prompt: Ergänze über die Kontext-Architektur Ziel, Fokus beziehungsweise Schwerpunkt, KI-Rolle, Prozessstand, Kriterien für Begriffe und Kohärenz, Ausgabeformat und Prüfauftrag. Lege die Wissensbasis fest; quellengebundene Aussagen, Definitionen und Modelle dürfen nur auf geprüften Quellen und konkreten Fundstellen beruhen. Die Ausgabevorgaben zeigen, wie Diskursübersicht, Begriffsregister, Konzeptmodell und Argumentationslinie übersichtlich angefordert werden.

Schritt

Strategie

Beispielpromt

1 Positionen und Kontroversen ordnen – eine quellengebundene Diskurskarte entwickeln

Discourse Mapping (Fachliche Verortung)

Erstelle zu [BEGRIFF ODER THEMA] eine Diskursübersicht. Ausgabe: Position A/B/C | zwei Kernaussagen | typische Begründung | offene Kontroverse | Schlüsselquellen mit Fundstellen. Nutze nur meine Quellen; sonst NA.

1 Gegenlesarten prüfen – Annahmen und alternative Deutungen sichtbar machen

Devil’s Advocate / Counter-Reading

Liste alle Annahmen meines Forschungsthemas oder meiner Claims. Ausgabe: Annahme | Gegenlesart | in Literatur oder Daten zu prüfen. Markiere danach die fünf riskantesten Annahmen als priorisierte Prüfaufträge.

2 Begriffe klären – Definitionsvarianten vergleichen und Arbeitsdefinitionen begründen

Concept Clarification

Erzeuge ein Begriffsregister: Begriff | Definitionsvariante | Dimension und Abgrenzung | Fundstelle | Vorteil, Risiko und Fit zur Forschungsfrage. Markiere Konflikte und schlage eine begründungsbedürftige Arbeitsdefinition vor.

3 Konzeptvarianten bilden – Modelle A und B samt Annahmen vergleichen

Concept-to-Model Mapping

Baue aus fünf bis acht Begriffen zwei echte Konzeptmodelle A und B. Ausgabe je Modell: Knoten | Kante und Beziehungstyp | Annahme | Quellenanschluss; ergänze Kurzbeschreibung und Mindmap. Vergleiche beide nach Fit, Datenanschluss und Scope.

4 Deutungen in Aussagen übersetzen – Claims, Scope und Quellenbezug verbinden

Interpretation-Aussage-Zuordnung (Interpretation-to-Claim Mapping)

Formuliere aus meinen Notizen und Quellen drei Arbeits-Claims. Ausgabe: Claim | Begründung und Quelle | Scope | Prüf- oder Beobachtungsfrage | Kapitel-Funktion. Nutze nur meine Quellen; ohne Fundstelle: NA.

5 Argumentationsstruktur entwickeln – eine Grobgliederung als Funktions- und Argumentkette entwerfen

Grobgliederung als Argument

Erzeuge aus Forschungsfrage und Scope zwei Grobgliederungen als Tabelle: Kapitel | Funktion | Kapitel-Claim | Belegarten | Übergang. Variante A ist IMRD-nah, Variante B theorieorientiert. Markiere zu breit, passend oder Lücke.

5 Argumentationsstruktur prüfen – Sprünge, Redundanzen und Lücken finden

Reverse Outline

Nimm meine Gliederung oder Absätze, rekonstruiere die Argumentlinie rückwärts und markiere Sprünge, Redundanzen und Lücken. Ausgabe: Problemstelle | warum | Fix | Priorität.

6 Kohärenz prüfen – unabhängige Bewertungen und Drift-Befunde zusammenführen

Self-Consistency

Prüfe die Passung von Problemkern, Forschungsfrage und Scope, Arbeitsdefinitionen, Claims, Modell A und B sowie Gliederung in drei unabhängigen Durchläufen. Ausgabe des Vergleichs: Artefakt | wiederkehrender Befund | Widerspruch oder Drift | Auswirkung | nötige Fix-Entscheidung.

  • Sind Kernbegriffe mit Quellen und Fundstellen verbunden und konsistent verwendet?
  • Wurden relevante Definitionsvarianten und Gegenlesarten berücksichtigt?
  • Sind Aussagen belegt oder klar als Annahmen und Interpretationen markiert?
  • Ist die gewählte Konzeptvariante gegenüber Alternativen begründet?
  • Sind Gegenlesarten berücksichtigt, und sind Aussagen belegt oder als Annahmen markiert?
  • Trägt jedes Kapitel einen argumentativen Beitrag?
  • Passt die Gliederung zur Forschungsfrage und zum festgelegten Scope?

Übergabe Zieloutput-Artefakte

Diskurskarte, Begriffsregister, Arbeitsdefinitionen, gewähltes Konzeptmodell, Aussagestruktur, Argumentationsgliederung und dokumentierte Auswahlentscheidung bilden den geprüften Kontext für die weiteren Arbeitsschritte im SS 2027.

Matrixzelle 3 | Konzipieren

Phase „Theorie- und Konzeptaufbau“ × Denkart „Interpretierend/konzeptuell“

Lernziele

  • Diskurse und Positionen ordnen,
  • Begriffe quellengebunden klären und begründet festlegen,
  • alternative Konzeptmodelle entwickeln und begründet auswählen,
  • eine argumentationsfähige Gliederung auf Kohärenz prüfen,
  • Scheinkohärenz erkennen und KI-Vorschläge an Quellen rückbinden.